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Jeder Klick eine bewusste Entscheidung: Ich gestalte digitale Erlebnisse, die Kunden leiten statt überfordern.

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Website Absprungrate reduzieren Teil 2: Wie kann ich meine Landingpage hinsichtlich "pre-click expecations" verbessern

  • 14. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit


Das Thema "Erwartung vor dem Klick" (pre-click expecations) ist wirklich zentral doch wird bei der Erstellung von Webseiten und Landingpages meist übergangen oder extrem unterschätzt wenn es darum geht, ob Besucher auf einer Webseite bleiben oder direkt wieder gehen.

Auch die Forschung stützt ziemlich klar, dass der Moment vor dem Klick starken Einfluss auf die sogenannte Bounce Rate hat. Es geht also nicht nur um „gute Website vs. schlechte Website“, sondern um den Abgleich zwischen Erwartung, Intention und wahrgenommenem Nutzen.


Worum es bei „Erwartung vor dem Klick“ eigentlich geht

Wenn man sich ein mal damit auseinandersetzt wird schnell klar wieso die Erwartung des Websitebesuchers so essenziell ist. Bevor jemand deine Website sieht, ist im Kopf schon etwas da: ein Suchbegriff, ein Problem, eine Hoffnung, ein Vergleichsmaßstab.


In der Informationswissenschaft wird genau das inzwischen auch direkt untersucht: Nutzer bringen in-situ expectations in die Suche mit hinein, also Erwartungen darüber, wie nützlich die Ergebnisse sein werden und wie viel Aufwand nötig sein wird. Diese Erwartungen hängen eng mit ihrem Ziel, ihrem Verhalten und ihrer späteren Zufriedenheit zusammen.


Das heißt praktisch: Jemand klickt nicht neutral auf eine Website. Er kommt mit einer Frage wie: „Hilft mir das bei meinem Rückenschmerz?“ „Ist das Personal Training für Anfänger oder für ambitionierte Sportler?“ „Bekomme ich hier genau das, wonach ich gesucht habe?“

Wenn die Landingpage diese mentale Erwartung nicht schnell bestätigt, entsteht Reibung. Und Reibung bedeutet im Web oft einfach: zurück zur Suche, nächster Tab, nächster Anbieter. 


Dieses Verhalten passt auch zu Googles eigener Logik in Ads und Landing-Page-Richtlinien: Dort wird ausdrücklich betont, dass Relevanz und Nützlichkeit der Landingpage zur Suchintention bzw. zum versprochenen Inhalt entscheidend sind, und dass Menschen eher abspringen, wenn die Landingpage nicht zu dem passt, was sie erwartet haben.


Wie hängt die "pre-click expectation" mit der Website Absprungrate zusammen


Nehmen wir ein Beispiel, in dem eine Person auf der Suche nach Personal Training ist, speziell um Rückenschmerzen zu bessern:


Nach dem Klick stellt sich nicht die Frage: „Ist das eine Website für Personal Training?“ - das wurde ja bereits über die Suchanfrage geklärt. Sondern: „Ist das das richtige Angebot für mich?“ Das ist ein entscheidender Unterschied und die Forschung von Nielsen Norman Group zu Das Konzept von Information Scent hilft hier sehr: Nutzer beurteilen anhand von Formulierungen, Navigation, Kontext und visuellen Signalen, ob ein Weg auf einer Website wahrscheinlich zum gewünschten Ziel führt. Das ist keine reine Inhaltsfrage, sondern eine Frage der wahrgenommenen Relevanz im jeweiligen Moment.


Sollte auf der Startseite nun beispielsweise der Slogan „Ich helfe dir, dein volles Potenzial zu erreichen“ stehen, klingt das erst mal nett, hilft dem Kunden aber auch nicht, sich zu orientieren.


  • Für wen genau?

  • Mit welchem Fokus?

  • Bei welchem Problem?

  • In welchem Kontext?

Für einen Nutzer mit einer konkreten Suchabsicht ist das zu wenig „Scent“. Er erkennt nicht schnell genug, ob diese Seite sein Problem löst. Das ist der eigentliche Mechanismus hinter dem Website-Absprung.

Was aktuelle Forschung dazu konkret nahelegt


Nutzer prüfen nicht nur „Worum geht es?“, sondern „Passt das zu meinem Ziel?“

Neuere Studien zu Websuche und in-situ user expectations zeigen, dass Erwartungen ein impliziter Referenzpunkt für Bewertung und Verhalten sind. Nutzer vergleichen also, oft unbewusst, das Gesehene mit dem, was sie sich vom Klick erhofft haben. Wenn die wahrgenommene Nützlichkeit oder Relevanz zu niedrig ist, sinkt die Zufriedenheit und das Verhalten kippt schneller Richtung Abbruch oder Weiterklicken.


Das ist für Landingpages extrem relevant: Nicht nur die Klarheit zählt, sondern die Passung zur Such- oder Klick-Intention.


Information Scent ist ein Frühindikator für „Bleiben oder Weiterziehen“


NN/g beschreibt Information Scent als die Hinweise, mit denen Nutzer abschätzen, ob sich ein Klick oder ein Verbleib lohnt. Wenn dieser Scent schwach oder zu generisch ist, verliert die Seite gegen Alternativen. Wenn er stark und präzise ist, steigen Orientierung und Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer weitergehen.


Für diesen Kontext heißt das: Je konkreter deine Headline und dein Einstieg an das anschließen, was der Nutzer gerade sucht, desto geringer die mentale Lücke.


Erwartungsverletzungen führen nicht nur zu Verwirrung, sondern zu Misstrauen


Stanfords Web-Credibility-Forschung zeigt, dass Menschen Websites sehr schnell auch unter dem Gesichtspunkt von Glaubwürdigkeit bewerten. Professionalität, Klarheit, Zweckmäßigkeit und Nutzbarkeit spielen dabei eine große Rolle. Eine Seite, die nicht zum erwarteten Problem oder Suchkontext passt, wirkt nicht nur unpassend, sondern oft auch weniger glaubwürdig oder weniger kompetent.


Mit anderen Worten: Mismatch = nicht nur Reibung, sondern oft auch Vertrauensverlust.


Navigation und Scope sind Teil derselben Problematik


Baymard zeigt in mehreren Studien, dass Nutzer sehr stark darauf angewiesen sind, schnell zu erkennen, wo sie sind, was der Scope der Seite ist und welche Optionen ihnen offenstehen. Wenn Scope und Kontext nicht klar sind, wird Orientierung schwieriger. Besonders stark ist das bei mobilen Einstiegen oder Deep Links in den Funnel.


Das bedeutet: Auch wenn jemand prinzipiell richtig geklickt hat, kann die Seite sofort wieder verloren gehen, wenn sie den Kontext nicht sauber bestätigt.


Was das für die Customer Journey bedeutet


Wenn wir den Customer Journey ernst nehmen, passiert die Bewertung in mehreren Stufen:

Vor dem Klick: Suchbegriff, Ad, Social Post oder Empfehlung erzeugen eine Erwartung. Direkt nach dem Klick: Die Landingpage muss diese Erwartung bestätigen oder sinnvoll konkretisieren. Innerhalb weniger Sekunden: Der Nutzer entscheidet, ob das Angebot relevant, glaubwürdig und leicht zugänglich wirkt.


Das bedeutet: Eine Landingpage kann „objektiv gut“ sein und trotzdem verlieren, wenn sie nicht dieselbe Sprache spricht wie der Einstiegspunkt.


Zurück zu unserem Beispiel, statt nur allgemein zu sagen: „Ich helfe dir, dein volles Potenzial zu erreichen“ wäre es deutlich wirkungsvoller, direkt an Suchintention oder Problem anzuknüpfen, zum Beispiel:


„Personal Training für Freizeitsportler mit Rückenschmerzen — damit du wieder sicher und stärker trainieren kannst.“


Warum das besser funktioniert:

  • es bestätigt den Suchkontext

  • es erhöht Relevanz

  • es reduziert Interpretationsaufwand

  • es stärkt Information Scent

  • es differenziert das Angebot schneller


Die wichtigste Erkenntnis in einem Satz


Das Problem ist oft nicht, dass Nutzer nicht verstehen, was du machst. Das Problem ist, dass sie nicht schnell genug erkennen, ob es für sie und ihr konkretes Anliegen relevant ist.


Was du daraus für Landingpages ableiten kannst


Wenn du deine Website Absprungrate senken willst, reicht es nicht, nur „klarer“ zu werden. Du musst auch prüfen:


  • Welche Erwartung erzeugt der Kanal vor dem Klick?

  • Mit welchem Problem kommt die Person auf die Seite?

  • Wird dieses Problem im ersten Screen sichtbar aufgegriffen?

  • Ist sofort klar, für wen das Angebot gedacht ist?

  • Entsteht Relevanz oder nur allgemeine Motivation?


Ein hilfreiches Denkmodell


Du kannst deine Landingpage mit dieser Frage prüfen: „Wenn jemand über genau diesen Suchbegriff oder genau diesen Instagram-Post kommt — fühlt sich der erste Screen wie eine direkte Fortsetzung davon an?“ Wenn ja, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Erwartung und Landingpage zusammenpassen. Wenn nein, steigt die Chance auf Absprung, selbst wenn die Seite an sich schön gestaltet ist.


Ich schaue mir deine Website gerne an und gebe dir konkrete Hinweise, wo du Klarheit schaffen und Nutzer besser führen kannst.

 
 
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